Am Morgen des 26. Oktober 2009 wurden ab 10.30 Uhr die ersten Edelkrebse zur Wiederansiedlung am Pulheimer Bach
ausgesetzt.
Pulheim: Edelkrebse Stars auf dem Tag der offenen Tür
Dr. Harald Groß, Leiter des Edelkrebsprojektes in NRW, hatte 3 Aquarien mitgebracht, um seine Edelkrebse zu zeigen.
Einige Kinder wollten sie sogar anfassen. Kein Problem. Nach anfänglicher Scheu und Respekt vor den großen Zangen machten sie ganz neue „Streichelerfahrungen“.
Dem Edelkrebs macht das übrigens nichts aus. Er kann sogar sein Revier verlassen und über feuchte Wiesen über Land marschieren.
Pulheim: Edelkrebsprojekt startet im Oktober 2009
In den letzten Augusttagen hat Dr. Harald Groß und seine Mitarbeiter die Teiche in der großen Laache mit Reusen nach dem Kamberkrebs abgesucht und keine gefunden.
So auch das Ergebnis der nächtlichen Absuche im renaturierten Bachabschnitt, den man mit Lampen ausgeleuchtet hatte – die Tiere sind ja nachtaktiv.
Das waren gute Nachrichten. Denn Edelkrebse können nur in neuen Revieren wieder erfolgreich angesiedelt werden, wenn diese nicht schon durch die Krebspest, die der Kamberkrebs verbreitet, verseucht sind. So kann planmäßig mit der Wiederansiedlung des Edelkrebses im Oktober 2009 begonnen werden. Die Nachzuchten haben dann eine Größe von ca. 3-4 cm.
Edelkrebse sollen im Pulheimer Bach ausgesetzt werden. Noch befinden sie sich in der Aufzuchtstation und sind gerade mal einen Zentimeter lang. Läuft alles nach Plan, dann werden die Krebse im Herbst ausgesetzt.
Bis zu 18 Zentimeter groß werden die meist einheitlich braun gefärbten zehnfüßigen Edelkrebse.
Noch sind die vor drei Wochen aus Eiern geschlüpften Edelkrebse in der Aufzuchtstation. Doch über die künftige Heimat der gerade mal ein Zentimeter langen Winzlinge, die sich noch in der Eifel tummeln, ist schon entschieden.
Im Herbst, wenn sie auf drei bis vier Zentimeter herangewachsen sind, sollen 1000 bis 1200 Edelkrebse (auch Europäische Flusskrebse genannt) im ersten renaturierten Abschnitt des Pulheimer Baches ausgesetzt werden. Dort, hinter der Grabenmeisterei des Unterhaltungsverbandes Pulheimer Bach an der Straße „An der Bachaue“, sollen sich die nachtaktiven, vom Aussterben bedrohten Tiere auf einer Länge von 700 Metern tummeln und nach Lust und Laune verstecken können.
In ihrer neuen Heimat sollen die meist einheitlich braun gefärbten, zehnfüßigen Edelkrebse auf ihre volle Größe - 18 Zentimeter von der Nasenspitze bis zum Schwanzende, die zwei großen Scheren nicht eingerechnet - heranwachsen und in ihrem natürlichen Lebensraum unbehelligt leben können. Ob einige der Gesundheitspolizisten - Edelkrebse ernähren sich auch von verendeten und kranken Tieren - auch in der Großen Laache, nahe von Gut Pletschmühle, eine neue Heimat finden, wird sich zeigen. Mit der Idee liebäugeln Dr. Harald Groß, Leiter des Edelkrebsprojektes NRW, und der Unterhaltungsverband Pulheimer Bach, in jedem Fall. Doch muss das Gewässer noch einen Eignungstest bestehen. Auch den renaturierten Abschnitt des Pulheimer Baches werden Groß und seine Mitstreiter noch auf Herz und Nieren testen.
Schließlich müssen sie die Schlüsselfrage klären, ob es in den Gewässern Amerikanische Flusskrebse gibt. Ist der Exot dort beheimatet, dann ist das Gewässer für die heimischen Edelkrebse tabu. Der Grund: Der Einwanderer überträgt die Krebspest, einen Pilz, der für heimische Krebse gefährlich und sogar tödlich ist. Der Immigrant selbst ist gegen den Pilz resistent. Der Test am Pulheimer Bach ist übrigens rein vorsorglich, denn bislang gibt es dort keine Hinweise auf die Existenz Amerikanischer Flusskrebse.
Übrigens haben Groß und sein Team ganz bewusst entschieden, den renaturierten Abschnitt des Gewässers in das „Edelkrebsprojekt NRW“ aufzunehmen. „Wir haben noch nie Edelkrebse in einem renaturierten Gewässer ausgesetzt“, sagt Harald Groß. Doch seien die Tiere gute „Strukturindikatoren“, die viel über die Qualität eines Gewässers und den Erfolg der Renaturierung aussagen. Denn: „Fühlen sich die Edelkrebse wohl und überleben sie, dann ist das Projekt gelungen.“ Die Tiere in dem renaturierten Gewässer anzusiedeln ist zugleich auch eine Überprüfungsmöglichkeit, ob der Bach schon „für solche Strukturindikatoren geeignet ist“, so Groß.
Das Projekt sei zugleich auch wichtig für die Öffentlichkeitsarbeit: Viele Bürger setzten exotische Fische, Schildkröten und Krebse aus Unkenntnis aus. „Wüssten sie, dass sie Tausende anderer Tiere umbringen, weil sie Krankheiten übertragen oder schwächere Arten verdrängen, dann würden sie es nicht tun“, so Groß.
Edelkrebsprojekt am Pulheimer Bach gestartet
Ende Juni waren die kleinen Edelkrebse, die für den Pulheimer Bach vorgesehen sind 1 Woche alt und ca. 1 cm groß.
Es sind Nachzuchten einer Edelkrebspopulation aus dem Flehbach im Königsforst bei Köln, dem zum Pulheimer Bach nächstgelegenen Vorkommen. Im Herbst sollen sie etwa auf 3 cm gewachsen sein und können dann ihr neues Revier, den Pulheimer Bach und die Große Laache, in Besitz nehmen.
Für das obige Photo "Edelkrebs" bedanken wir uns bei Chris Lukhaup für die freundliche Genehmigung.